Philosophie

Philosophierende entwerfen eigene Utopien

Vom besseren Leben träumen? Sich im Hier und Jetzt verorten und dennoch in die Ferne blicken? Nicht nur, aber gerade in der Jugend ist das Bedürfnis ebenso wie das Vermögen groß, sich Utopien hinzugeben. Die Schüler*innen des Philosophiekurses haben sich mit verschiedenen Utopien beschäftigt und schließlich eigene erstellt.

Geleitet vom Gedanken des Philosophen Ernst Bloch, dem zufolge der Mensch „das stärkste Fernrohr [benötige], das des geschliffenen utopischen Bewusstseins, um gerade die nächste Nähe zu durchdringen“ (Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung, Berlin 1959, S. 11), haben sie sich mit den gegenwärtigen Verhältnissen auseinandergesetzt und eine Reihe lesenswerter eigener dystopischer oder eutopischer Texte verfasst. Die folgende Auswahl möge ein größeres Publikum erreichen.

Dr. Fuad Alidoust

Eine Welt, die den Namen Mina trägt

Eine Eutopie von Sara Assakali (Philosophie 10. Klasse ADT)

Wir stehen auf einem großen Hügel, mit dem Rücken Richtung Abgrund, den Blick aufeinander gerichtet. Hinter uns ein Meer aus Wolken. Hand in Hand. Zitternd. Ihre Augen glasig. Ein großes Lächeln auf unseren Lippen.

„Sei ehrlich zu mir. Rede mit mir. Ich verlange nichts, außer, dass du mir mit Ehrlichkeit begegnest. Lassen wir die Selbstverständlichkeit, mit der ich jedem mit Empathie begegne, einfach mal beiseite. Sei einfach nur aufrichtig zu mir. Ganz egal, ob deine Ehrlichkeit mich verletzen oder kränken wird. Ich möchte lieber verletzt sein, als durch gespielte Wahrheit, falsches Glück zu erfahren. Der Schmerz wird vergehen. Die Ehrlichkeit wird deine Handlungen, die diesen Schmerz ausgelöst haben, nicht wiedergutmachen. Jedoch werde ich mich daran erinnern, dass du in einem Moment aufrichtig zu mir gewesen bist und mir nichts vorgespielt hast. Ich werde all deine schlechten Taten, bösen Worte und deinen abschätzenden Umgang mit mir nicht vergessen, aber diese Gedanken werde ich beiseitelassen und mich an deine Ehrlichkeit erinnern.

Unglaublich einfach ist es, Menschen zu täuschen, indem man ihnen in den richtigen Momenten die Dinge erzählt, die sie hören wollen. Der Mensch will Bestätigung. Wir alle wissen, dass sich eine Lüge, die das darstellt, was wir zu brauchen glauben, besser anfühlt als die kalte Wahrheit. Dass der Traum oft schöner ist als die Realität.

Jemandem dann, mit dem Wissen, dass man ihn verletzt, in die Augen zu schauen und vollkommen ehrlich zu sein, das zeugt von Stärke und Mut. Wenn Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit dir mehr bedeuten, als gut dazustehen und du einen Menschen mit der Wahrheit begegnest, das ist Ehrlichkeit. Weil du in dem Moment zu dir selbst stehst und wer bist du schon, wenn du deine eigenen Werte nicht beibehältst und vertrittst, ganz egal wie dein Gegenüber damit umzugehen vermag.

Ich habe mir die Frage gestellt, ob das ohne einen Hauch von Egoismus in unsere Realität umzusetzen ist. Für den ein oder anderen mag es vielleicht sogar ein hartes egoistisches Denken sein, aber für mich bist du gerade dadurch unglaublich attraktiv. Jemandem durch ein aufgesetztes Gesicht zu schmeicheln, ist Selbstverrat. Jemanden zu verletzen, um selbst gut davon zu kommen, obwohl man bei vollem Bewusstsein war und sich der Folgen des Gelebten bewusst, ist Egoismus und Verrat eines anderen. Du kannst nur ehrlich zu dir und anderen sein, wenn du die Ursache deiner Probleme nicht immer nur im Außen und in deiner Umwelt suchst, sondern deine Gedanken und Taten hinterfragst. Welche inneren Unruhen trägst du mit dir herum?

Weißt du, was ich niemals verstehen werde? Wie können sich Menschen bekriegen? Wie ist es möglich, einen solchen Krieg in seinem Innern zu führen, sodass man Menschen leiden sehen möchte.“

 

Das waren die letzten Worte, die ich von ihr zu hören bekam und die Erde, ihr Zuhause, gab mir keine Chance mehr zu antworten. Keine Chance, ihr zu erklären, dass ich mich nicht bewusst gegen sie, sondern für mein Glück entschieden habe. Jetzt ist sie weg. Ihre Heimat zog sie wieder zu sich. Sie konnte sich ihr nicht widersetzen. Ihrer selbst nicht bewusst, rannte sie den Hügel runter, ihre Haare im irdischen Wind tanzend.

Niemandem vor mir ist es gelungen, von der Erde nach Mina zu gelangen. Es tut mir im Herzen weh, sie so aufgelöst zu sehen und ich würde sie am liebsten von der Erde befreien und mit nach Mina nehmen.

Sie weiß nicht, wie einfach es ist. Fallen lassen, Hand in Hand, ungefragt, mit reinem Herzen und guten Absichten, in das makellose Meer aus Wolken hinter dem Hügel.

Ich stehe immer noch auf dem Hügel, erstarrt und bewegungslos. Dieses Gespräch hat mir wieder das Menschsein vor Augen gehalten. Die vielen Jahre, die ich auf Mina lebe, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Mensch, der ich noch immer bin, noch im Stande ist, meine Geliebte zu verletzen.

Das Menschsein, das auf der Erde von Geburt an gelernt habe, kann ich nicht einfach ablegen. Auf der Erde lebt ein System, in dem das Gute, das jeder Mensch von Grund auf in sich trägt, immer wieder auf die Probe und in Frage gestellt wird.

Wie gerne würde ich ihr von dem Leben in Frieden hinter dem Hügel, in dem makellosen Meer aus Wolken, in Mina, erzählen.

Ich kann sie nicht dorthin mitnehmen. Der einzige Weg, sie daran teilhaben zu lassen. sind Erzählungen. Sie sind das Einzige, das uns bleiben wird.

In meiner Trauer und Verzweiflung beschließe ich, ihr einen Brief zu schreiben. Ich möchte ihr von meinem Leben bei uns in Mina beschreiben. Es soll ihr Hoffnung geben:

An das Mädchen, das mich glücklich macht

All die Dinge, die du dir wünschst, sind bei uns Wirklichkeit. Wir leben deinen Traum von einem Leben in innigem Frieden.

Du bist auf der Erde in ein System hinein geboren, das Kriege und Egoismus gutheißt. Für das Frieden in großen Teilen der Gesellschaft ein Fremdwort ist. Es gibt Kinder, die ihr ganzes Leben im Krieg verbracht haben.

Eine Gesellschaftsstruktur, in der es selbstverständlich ist, nicht ehrlich zu sein. Aufrichtigkeit ist nicht bei allen Menschen auf der Erde die Basis für das Miteinander. Wer weit kommen will, muss in diesem System rational handeln und auch mal auf Kosten Anderer seinen Willen durchsetzen.

 

Ich verstehe deine Verzweiflung. Ich verstehe, wie schwer es ist, in so einer Welt zu leben, wenn man selbst andere Gedanken mit sich trägt. Wenn man selbst nicht damit leben kann, egoistisch zu handeln.

Bei uns in Mina hat noch niemand etwas von Egoismus gehört. Bei uns ist jeder immer bereit, seinen Mitmenschen zu helfen, Rücksicht zu nehmen, einander zu unterstützen und Mithilfe, sowie einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten.

Jeder von uns lebt in dem Wissen, dass Geben glücklicher macht als Nehmen und danach handeln wir.

Wie gerne wäre ich aufrichtig zu dir gewesen und hätte es somit den Bewohnern von Mina gleichgemacht. Ich habe mich selbst dabei ertappt, dass ich auf der Erde einem System verfalle, in dem ich andere Menschen für mein Glück verletze. Es tut weh, dir diesen Schmerz zu bereiten. Verzeih.

Würdest du mit mir auf die andere Seite kommen, wäre dein Glück Voraussetzung für meins und mein Glück Voraussetzung für deins. Glück ist in Mina nicht dem Schicksal überlassen. Es ist ein Produkt deiner Gedanken. In Mina teilen sich alle den gleichen Gedanken von Gemeinschaft, Frieden und einer sozialen Gesellschaft. Wir alle sind miteinander verbunden. Wir alle teilen uns eine Stimmung. Jeder arbeitet für sich an seinem inneren Frieden und trägt ihn nach außen, daraus entsteht ein dauerhafter Grundfrieden.

Es gibt keinen Anlass, andere zu verletzen oder sie in ihrer Freiheit einzuschränken. Niemals wäre jemals dazu fähig, diesen Frieden zu zerstören. Im Gegenteil, niemand lebt neutral oder gar gegen den Frieden, jeder Einzelne wirkt aktiv für den Frieden.

Auf deine Frage, wie Menschen Kriege führen können, habe ich keine gesunde Antwort. Seit meinem Leben in Mina stellt sich mir diese Frage nicht mehr. In Mina sind Kriege nicht bekannt.

Es gibt Diskussionen und es gibt auch Auseinandersetzungen und selbstverständlich auch Meinungsverschiedenheiten. Die unterschiedlichen Ansichten werden dann in Debatten ausgetragen. Diese enden jedoch sofort, sobald eine der Parteien in ihrer Freiheit eingeschränkt oder verletzt werden könnte.

Bei uns ist es völlig normal, sich gegenseitig auf das Verhalten hinzuweisen und im Gegenzug eben auch Verweisungen auf das eigene Verhalten dankend anzunehmen. Niemand hat Angst, sich mit Kritik zu konfrontieren. Sie ist ein Geschenk und dient dem Fortkommen.

Nach unserem Gespräch sind die alten Gefühle von Unfrieden und Unwohlsein wieder hochgekommen, die für mich immer mit dem irdischen Leben verbunden waren. Damals bin ich gesprungen, weil der Mensch in meinen Augen immer egoistisch war und ich dem Leben nicht mehr standhalten konnte.

Nach meinem Fall bin ich nach Mina gekommen, um wieder aufzustehen und wieder zu lernen, dass der Mensch im Grunde gut ist.

 

Ich war das Problem. Meine Gedanken waren es, die die Erde zu dem gemacht haben, wie ich sie wahrgenommen habe. Mit meinem Sprung habe ich das Misstrauen in das menschliche Geschöpf hinter mir gelassen.

Mina ist ein Ort voller Frieden, weil alle, die ihren Weg nach Mina gefunden haben, aus dem Loch der Hoffnungslosigkeit gekrochen sind und alle schlechten Gedanken auf der Erde gelassen haben.

Ich wünsche mir, dass du jetzt verstehst, warum ich gesprungen bin und warum ich dich hinter mir lassen musste. Vielleicht bist du ja auch irgendwann so weit, alles hinter dir zu lassen. Mein innerer Frieden über unsere Liebe. Für die Liebe. Für das Leben.

Nebiara

Eine Dystopie von Marlene Hornauer (Philosophie 10. Klasse ADT)

Teil 1: Die „Mus“

Der dichte Nebel lag auch heute wieder über dem Staat Nebiara und zog sich durch die Straßen der Murris[1]. Seit Jahren war kein klarer Himmel mehr in Nebiara zu sehen gewesen.

4:00 Uhr morgens. Der 2. Murris: Alles war still, nur das Gröhlen der zahlreichen Trinker war zu vernehmen. Sie hatten wieder einmal versucht, ihre Sorgen im Alkohol zu ertränken und versuchten nun trotz des Nebels, ihr Zuhause wiederzufinden. Die meisten von ihnen werden, gemeinsam mit den anderen Menschen aus den Murris, um sechs Uhr zur Arbeit in die große Stadt[2] aufbrechen. 

5:00 Uhr: Grace öffnete die Augen und setzte sich auf, neben ihr auf der alten Matratze lag ihre kleine Schwester. Sie stand auf und ging durch das leere Zimmer zu einem kleinen Automaten auf der anderen Seite des Raumes. Ein Tipp auf den Bildschirm genügte, damit dieser ansprang und eine gefühlslose weibliche Stimme anfing, zu reden: „Guten Morgen, wir haben den 1. September, 5:03 Uhr morgens. Bitte halten sie ihr ID Armband vor den Scanner.“ Grace hörte der Stimme schon seit Jahren nicht mehr zu, es war immer das gleiche. Jeden Tag, das Datum hatte schon lange an Bedeutung verloren. Dennoch konnte sie sich noch gut daran erinnern, wie diese Automaten als Pflicht zum Sparen von Ressourcen eingeführt wurden. Damals musste sie 4 Jahre alt gewesen sein. Sie war fasziniert von so beeindruckender Technologie gewesen. Schließlich durften diese sonst nur die Menschen der großen Stadt besitzen. Sie hielt das Armband vor den Scanner: „Bewohner 4006783, Grace Libert, 28, erkannt. Ihr Frühstück wird zubereitet.“

 „Sie können ihr Frühstück nun entnehmen. Auf einen produktiven Tag zum Glücke des Fortschritts.“ Grace beugte sich hinunter zu der Klappe des Automaten, öffnete sie und entnahm zwei Scheiben Brot sowie eine Tasse Kaffee. Anschließend setzte sie sich an einen kleinen Tisch in der Mitte des fast vollkommen leeren Zimmers. Grace und ihre Schwester sowie die meisten Mus[3], konnten es sich nicht leisten, zu besitzen, denn Besitz bedeutete für sie Verlust. Umso mehr sie als Mus besaßen umso gefährlicher wirkten sie für den Staat, dann würde ein falscher Gesichtsausdruck reichen, um sie verschwinden zu lassen.

5:25 Uhr: Grace stand vom Tisch auf, warf ihren Teller und die Tasse durch eine andere Klappe des Automaten, ging zu ihrer Schwester an die Matratze und weckte diese auf. Das Mädchen von ungefähr 17 Jahren setzte sich auf und schaute ihre Schwester fragend an. „Ich muss bald los zur Arbeit, Ophelia. Sei vorsichtig, wenn du raus gehst und fang nichts mit 9ern an, okay?“, meinte Grace. Ophelia antwortete mit einem einfachen: „Okay.“

5:30 Uhr: Die Androiden zur Kontrolle der Murris wurden bei den Eingängen abgeladen und verteilten sich nun in den Straßen sowie an den Ein- und Ausgängen. Jeder, der einen Murris zu betreten oder verlassen sucht, muss von diesen Androiden kontrolliert und registriert werden, sonst zählt es, zumindest für die Mus, als Gesetzesbruch. Da niemand weiß, was die Strafe im Falle eines Gesetzesbruchs ist oder was das Gesetz besagt, haben alle nur umso mehr Angst. Diese Angst hält die Murris friedlich und ihre Bewohner unterdrückt. Für die Bewohner der großen Stadt ist das natürlich anders. Sie sind genauestens informiert und besitzen auch das Recht, sich vor Gericht vollsten Maßes zu verteidigen. Die Mus hingegen können sich kaum einen Anwalt leisten und werden vom Gericht auch nicht ernst genommen.

5:35 Uhr. Grace lief schon seit ca. 3 min in Richtung des Haupttors und war noch keinem der Androiden über den Weg gelaufen. Um 6:10 musste sie spätestens beim MM (Medien Ministerium) sein. Dann würde ihr erster Job beginnen: Zeitungsaustragen, einer der wenigen Jobs, die Mus, aus Gutmütigkeit des momentan bestimmenden Parteioberhaupts, übernehmen dürfen. Als sie ein Stück weitergelaufen war sah sie einen Mann bewusstlos gegen eine Mauer gelehnt liegen. Als sie genauer herantrat, sah sie, dass der Mann eine Spritze in der Hand hatte. An der Spitze waren noch Überreste einer violetten Substanz zu erkennen. Ein 9er, der Mann war einer von vielen Level 9-Abhängigen. „Level 9“ ist eine neue Droge, die entwickelt wurde, um euphorisierend auf ihre Benutzer zu wirken, das Gedächtnis zu schwächen und dabei schnell und stark abhängig macht. Neben Alkohol ist Level 9 die einzige legale Droge. Vor Jahren war bereits der erste Prototyp für Level 9 von der Regierung in die Murris eingeschleust worden. 

5:45 Uhr, Haupttor der Murris. Grace wies sich mit ihrem ID Armband bei einem der Androiden aus und nannte den Grund für ihren Besuch der großen Stadt. Kurz darauf betrat sie einen der High-Speed-Züge, der direkt zum MM fuhr. Die Bewohner der großen Stadt, die ebenfalls im Zug waren, starrten sie entweder an oder wahrten einen möglichst großen Abstand von ihr. „Hey, du da. Du bist doch ein Mus, oder?! Man kann es an deiner Haut sehen! Ihr verbraucht alle nur unsere sowieso schon knappen Ressourcen und dann macht ihr auch noch immer nur Ärger! Ihr solltet froh sein, dass ihr überhaupt leben dürft, aber trotzdem randaliert ihr! Nichtsnutze!“, schrie sie schließlich ein Mann im Zug an. So war das immer. Für die Menschen der großen Stadt waren die Mus die Tunichtgute und einfach nur faul. Da sich dies seit Jahren nicht geändert hatte, hatten die Mus die Hoffnung aufgegeben und waren nun zum Großteil Level 9-abhängig. Die Murris selbst waren friedliche Orte, zumindest passierte nie etwas Schlimmeres als die gelegentliche Kneipenprügelei. Trotz dessen hielten die Menschen der großen Stadt sie für die Geburtsstätte des Kriminellen. Schuld daran waren die Zeitungen, die immer wieder von angeblichen massiven Verbrechen in den Murris oder durch die Mus berichteten.

 6:00 Uhr, die große Stadt, Medien Ministerium: Grace war nun am MM angekommen und nahm sich ihren ersten Zeitungsstapel. Als sie gerade den Stapel anhob, rempelte sie ein großer, breitgebauter Mann im Anzug an.

Teil 2: „Die Regierung“

Erster September, 4:30 Uhr, die große Stadt: „Durch den Klimawandel mussten viele Menschen ihr Zuhause aufgeben und in ein anderes Land fliehen. Jene Menschen kamen noch zu denen hinzu, die aufgrund von Krieg fliehen mussten. Dies und knapper werdende Ressourcen, da Felder und Wälder austrockneten, führten zu Chaos und Uneinigkeit unter den Menschen. Aus eben diesem Chaos entstanden drei verschiedene Staaten, einer davon Nebiara. Um die Bürger zu beruhigen und Ordnung zu schaffen, wurde die Bevölkerung Nebiaras auf drei Murris und „Die große Stadt“ aufgeteilt. In den Murris leben die armen Bürger und die meisten der Flüchtlinge sowie andere abnormale[4] Menschen.  Schließlich sind diese für den Staat unwichtig, denn sie bringen nicht genug Fortschritt und verbrauchen nur Ressourcen. So kamen wir zu unserem heutigen fortschrittlichem Nebiara, in dem alle Gefängnisse so gut wie leer stehen. Willkommen meine Damen und Herren, zu unserer heutigen Sitzung.“, beendete die kalte Stimme des Hologramms der Gründerin Nebiaras ihre Ansprache. Der Mann am oberen Ende des Tisches erhob sich und begann zu sprechen: „Heute sind wir hier versammelt um Korbinian Carce in die Regierung aufzunehmen. Herr Carce wird den Platz seines verstorbenen Vaters als Leiter des Medien Ministeriums einnehmen. Bitte stehen sie auf, Herr Carce, und schwören sie der Regierung von Nebiara, und damit auch dem Fortschritt, ihre Treue.“ Korbinian stand auf und schwor, mit einer Hand auf dem Herzen: „Ich, Korbinian Carce, gelobe vom heutigen Tag an Nebiara als Mitglied der Regierung zu noch größerem Fortschritt zu verhelfen. Auch werde ich mich nicht auflehnen gegen die Entscheidungen der Regierung als Gemeinheit. Das Geheimnis der Existenz der Regierung hinter den Parteien werde ich mit ins Grab nehmen.“ „Tonaufnahme beendet. Hiermit ist Bewohner 136945, Korbinian Carce, 30, als Mitglied der Regierung registriert worden.“, erklang die kalte Stimme des Hologramms ein letztes Mal. „Bitte setzen Sie sich.“, wandte sich der Mann am oberen Ende des Tisches erneut an Korbinian. Er setzte sich. Der Mann blieb stehen. „Herzlichen Glückwunsch zur Registrierung“, fügte er noch hinzu. „Es werden sich nun der Reihe nach alle anderen Mitglieder vorstellen, danach beginnt die tatsächliche Arbeit.“ Von rechts neben dem Mann ausgehend begannen alle der Reihe nach, ihre ID Daten aufzusagen:

 „Sophia Myste, 39, Leiterin der SDBb („Sozial Demokratischen Bürgerbewegung“), keine Abnormitäten. Abstammung: Amerikanisch.“

„Quarry Buraindo, 35, Leiter des „Rechten Flügels“, keine Abnormitäten. Abstammung: Asiatisch.“

„Adalat Gin, 45, Leiter der „Linken Seite“, keine Abnormitäten. Abstammung: Asiatisch.“

„Charles Michael  Benedetto, 32, Leiter der NODP („Naturwissenschaftlich orientierte demokratische Partei“), keine Abnormitäten. Abstammung: Europäisch.“

„Jason Datura, 37, Vorsitzender der „PHN“ („Pharmaindustrie Nebiara“), keine Abnormitäten. Abstammung: Amerikanisch.“

„Maria Kelleeka, 46, Stellvertretende Leiterin der „Regierung“, keine Abnormitäten. Abstammung: Europäisch.“

Zuletzt stellte sich schließlich der Mann am oberen Ende des Tisches vor: „Kail Kelleeka, 49, Leiter der „Regierung“, keine Abnormitäten. Abstammung: Europäisch. 1. Sohn der Gründerin.“

„Nun lasst uns die richtige Arbeit beginnen und Nebiara zu weiterem Fortschritt verhelfen!“

6:01 Uhr, die große Stadt, Medien Ministerium: Korbinian stieß in seiner Hektik gegen eine der Mus Zeitungsausträgerinnen. Die Mus entschuldigte sich, lies ihren Kopf gesenkt und Korbinian eilte weiter.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Namenserklärungen:

 

Nebiara: abgeleitet von Nebia (= ital. Nebel, Trübung)

Mus (= lat. Ratte/ Maus)

Murris: abgeleitet von caverna/ cavum muris (=lat. Mauseloch)

Grace Libert: Libert ist abgeleitet von liberty (=eng. Freiheit)

Korbinian Carce: Carce ist abgeleitet von carcer (=lat. Kerker, Gefängnis)

Sophia Myste: Myste ist abgeleitet von mystery (=eng. Geheimnis)

Quarry Buraindo: Der Name Quarry bedeutet „Stolz“. Buraindo (ブラインド=jap. Blind)

 

Adalat Gin: Der Name Adalat bedeutet Gerechtigkeit, Gleichberechtigung. Gin (銀=jap. Silber)

Jason Datura: Der Name Jason bedeutet „der heilende“. Datura ist eine giftige Pflanze.

Maria und Kail Kelleeka: Der Name Kail bedeutet „der Einflussreiche“. Kelleeka bedeutet „willensstark“.

 

 

[1] Die Murris sind die Armenviertel von Nebiara

[2] Die große Stadt: Zentrum des Staates Nebiara

[3] Mus sind die Bewohner der Murris

[4] Mit abnormal sind hier Mitglieder der LGBTQ+ Gemeinschaft, im allgemeinen Menschen anderer Herkunft und Menschen von Farbe (POC), Menschen mit Behinderungen und weitere Minderheiten gemeint.

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